"Mir gefällt es hier, der Markt hat Potenzial."

Kathrin Haab

Anfang 2021 hat sich Kathrin Haab mit ihrem Landwirtschaftsbetrieb selbstständig gemacht, wenige Monate später ist der Obst- und Gemüsestand der Bachserin bereits fester Bestandteil des BrupbiMärts.
Im Gespräch erzählt die junge Landwirtin von ihrer Begeisterung für Freiland-Gemüse, der Bedeutung der farbigen Preisschilder und was ihr beim Verkaufen auf dem Markt am meisten Freude bereitet.

Du bist gelernte Floristin, warst viele Jahre als Arbeitsagogin tätig. Wie bist du in der Landwirtschaft gelandet?
Gelandet bin ich dort eigentlich nicht. Denn tatsächlich bin ich einem Landwirtschaftsbetrieb aufgewachsen – und habe jetzt den Betriebsteil von meinem Vater übernommen. "Zurück zu den Wurzeln", könnte man das wohl nennen.

Und was findet man in deinem Betrieb?
Ich habe eine Mutterkuhherde, Freilandsäuli, Pensionspferde – und ich versuche Mischkulturen anzubauen.

Mischkulturen?
Ich setze oder säe nicht das Gleiche in einem Beet, sondern mische die Gemüsesorten, damit sie sich gegenseitig unterstützen und Schädlinge dadurch abwehren. Dabei arbeite ich viel mit Kräutern und Nützlingen. Ein Marienkäfer zum Beispiel kann nur dann wieder stark werden, wenn er auch zu Fressen hat. Es muss also auch Läuse geben. Das Gemüse, das ich produziere, wächst ohne synthetische Düngemittel und Pflanzenschutzmittel.

Apropos Gemüse: Hast du so etwas wie ein Aushängeschild?
Am meisten liegen mir die Tomaten und Gurken am Herzen. Die bekommt man heutzutage kaum noch aus dem Freilandanbau, weil sie früher oder später immer krank werden wenn man nicht spritzt. Das ist die Herausforderung: Rauszufinden, was man daneben setzen kann, damit genau das nicht passiert. Auch die Witterung spielt natürlich eine grosse Rolle. Dieses Jahr hatten wir einen schlecht Start, es ist viel zu kalt für die Jahreszeit. Normalerweise würden wir jetzt anfangen, die Erbsen abzulesen – aber die sind gerade mal ein paar Handbreit hoch. Wenn es zu kalt ist, bleiben sie einfach stehen. Das ist aber nun mal die Natur – und das den Leuten näherzubringen, das finde ich cool.

Bietest du dann auch Obst und Gemüse von anderen Betrieben an?
Ich bin auf den Handel angewiesen. Denn ich selbst mache mich vor allem für den Gemüsesektor stark. Beeren kaufe ich deswegen von anderen Betrieben hinzu. Alleine würde ich all das aber ohnehin gar nicht schaffen. Wobei ich ganz alleine nicht bin: während ich mich auf den Ackerbau konzentriere, kümmert sich mein Vater vor allem um die Tiere.

Was gefällt dir an deiner Arbeit am meisten?
Ganz klar das Verkaufen. Da stecke ich mein ganzes Herzblut rein. Ich liebe es, mit den Menschen ins Gespräch zu kommen und ihnen unser Konzept vorzustellen.

Dazu gehören auch die farbigen Preisschilder, nicht wahr?
Ganz genau. Ich arbeite mit Preisschildern in verschiedenen Farben . Gelb bedeutet, dass die Produkte aus meinem Betrieb oder aus der Schweiz kommen, die grünen Schilder kennzeichnen Produkte aus den Nachbarländern. Eingeflogenes gibt es bei mir nicht. Bananen? Wird es nie geben. Und Mangos nur dann, wenn ich welche aus Italien bekomme.

Wie ist es für dich, jede Woche auf dem BrupbiMärt zu sein?
Mir gefällt es hier – und es läuft nicht schlecht. Ich habe das Gefühl, der Markt hat Potenzial. Was noch fehlt sind Fleisch und Fisch. Wenn ich einen Kühlwagen aufstellen kann, wäre es mein Ziel, hier in Zukunft auch noch mein eigenes Fleisch anzubieten.