Eine Tüte? Nein danke.

Kaffee und Cookies, Bulgur und Bohnen, Seife und Sonnencreme – am Marktstand von Luiza und Andreia aus Küsnacht gibt es so ziemlich alles, was in Küche und Badezimmer nicht fehlen darf. Das Besondere daran: die Produkte kommen nicht nur zum grössten Teil aus der Schweiz, sondern gehen gänzlich unverpackt über die Marktstandtheke. Plastikverpackungen, Tüten und Karton? Gibt es bei Refeel nicht. Stattdessen können die Kund:innen Schraubgläser oder wiederverwertbare Säckchen befüllen.
 
Wie kam die Idee zum Unverpackt-Marktstand auf?
Das Ganze hat damit angefangen, dass wir schon immer gerne unverpackte Waren gekauft haben. Da wir an der Goldküste wohnen, sind wir zum Einkaufen häufig nach Zürich gefahren. Am Anfang war es für uns schwierig herauszufinden, wo wir in der Stadt eigentlich nachhaltig einkaufen können und mussten auf der Suche nach den passenden Produkten durch die halbe Stadt tigern. Also haben wir überlegt, wie wir das ändern können – und fassten den Entschluss, die Unverpackt-Idee selbst in die Hand zu nehmen. Anstatt einen Laden an einem bestimmten Ort zu haben, könnten wir doch einen Marktstand machen, der theoretisch überall sein kann, so dass wir das Konzept noch mehr Menschen erreicht.

Also habt ihr keinen Laden, es gibt nur diesen Marktstand?
Unser Laden ist unser Zelt.

Findet man euch ausschliesslich auf dem BrupbiMärt?
Genau, bisher sind wir nur hier. In der zweiten Jahreshälfte wollen wir ein wenig expandieren, wenn möglich nach Zollikon und Wipkingen. Aber bisher ist nichts unter Dach und Fach. Unser Projekt für die Zukunft ist, uns einen fahrbaren Stand, also eine Art Food-Truck zuzulegen.

Woher bezieht ihr eure Produkte?
Fast alle Produkte sind bio und wenn möglich regional. Vieles von dem, was wir verkaufen, stammt aus der Romandie. Wir haben aber auch Produkte aus Zürich, zum Beispiel Seifen von Söder. Einiges kommt tatsächlich auch aus Küsnacht, dort wohnen wir. Zum Beispiel die Knecker oder die Amaretti von Anita.

Wir entscheidet ihr was ihr verkaufen wollt, was es im Sortiment gibt?
Unser Ziel ist es, den Menschen so viele Produkte wie möglich anzubieten, die Produkte mit Verpackung ersetzen können. Was Lebensmittel betrifft, gibt es einen bunten Mix. Noch ist das Sortiment nicht komplett, das ist natürlich auch eine Platzfrage. Gerade findet man viele Basic-Sachen, also Produkte des täglichen Bedarfs wie Kaffee, Tee oder Milch in wiederverwertbaren Flaschen. Ausserdem gibt es Produkte, deren Verpackung sonst hauptsächlich aus Plastik besteht wie Shampoo, Deo oder Sonnencreme.

Wie genau funktioniert das Einkaufen bei euch?
Man kann von Zuhause eine Verpackung mitbringen, zum Beispiel Tupperware, ein Schraubglas oder einen kleinen Sack. Wir bieten gratis auch gebrauchte und gewaschene Schraubgläser an, die wir von Freund:innen oder Kund:innen geschenkt bekommen. Zudem gibt es kleine wiederverwendbare Säckchen, die man bei uns kaufen und füllen kann.

Habt ihr einen Bestseller?
Das Shampoo mit weissem Lehm und die Söder-Seife sind sehr beliebt. Ausserdem die Nüsse und die süssen Sachen. Die Chocolate Chip Cookies sind bereits ausverkauft. Eine Freundin aus Luzern backt sie für uns, genauso wie das unglaublich leckere Granola. Auch die lufas vegetais gehen weg wie nichts. Das sind Naturschwämme aus getrockneten Gurken, ein wirklich tolles Produkt. Wir sind schon wieder komplett ausverkauft und warten auf Nachschub.

Woher kommen die Schwämme?
Die sind aus meiner Heimat Brasilien, lufa ist dort eine sehr weit verbreitete Pflanze, sie wächst praktisch in jedem Garten. Es hat gewissermassen Tradition, die getrockneten Gurken als Schwämme zu benutzen. Sie sind zudem sehr hygienisch und lange verwendbar.

Die Männer, die gerade hier waren und eingekauft haben, kennt ihr sie gut? Ihr habt so vertraut gewirkt.
Das sind Kunden von uns, Stammkunden um genau zu sein. Der eine war einer unserer allerersten Kunden auf dem Markt. Er kannte das Konzept bereits und ist grosser Fan davon. Seither kommt er jede Woche mit seinen eigenen Gläsern vorbei, er weiss immer schon genau, was er will.

Und der andere?
Der ist Personal Chef und hat bei seinem ersten Besuch Couscous und Bulgur gekauft. Er ist wieder gekommen, weil er die Qualität des Bulgurs – der übrings aus der Schweiz ist – so unglaublich toll fand. Er hatte schon viele Bulgursorten ausprobiert und meinte, dass genau diese ihn an den Bulgur seiner Grossmutter erinnert. Heute hat er uns sogar ein Foto von einem Gericht mitgebracht, das er aus unseren Produkten gekocht hat.

Was gefällt euch am besten daran, hier auf dem Markt zu sein?
Uns fasziniert genau diese Nähe mit den Menschen um uns herum, Menschen, die immer wiederkommen, mit denen wir uns austauschen und vertraut werden. Dieser Austausch, dieser Vibe ist sehr bereichernd. Auch die Atmosphäre unter den Marktfahrenden ist wirklich schön, alle sind entspannt und hilfsbereit. Auf dem Markt gibt es einfach nicht diese Eile wie im Supermarkt. Hier gibt es Raum für Persönliches. Man spricht über dieses und Jenes, über Privates, über alles mögliche einfach.