Vom Manesseplatz an den Brupbacherplatz

Wo es die weltbesten Wiedikerli gibt wissen wir schon lange: bei Metzgerei Keller am Manesseplatz. Bzw. am Stand der Metzgerei Keller am Brupbacherplatz. Seit März vertritt Michi die Metzgerei auf dem Brupbimärt. Mit im Gepäck: Trockenfleisch, Bratwürste, Cervelat – und klar: Wiedikerli. In vier verschiedenen Sorten. Und seit neustem sogar auch aus Biofleisch.
 
Michi, du bist eigentlich Koch im Restaurant Le Chef. Wie kommt’s, dass du hier stehst und nicht im Restaurant?
Die Metzgerei Keller ist unser Fleischlieferant. Roger Willimann hatte meine Chefin Anfang des Jahres gefragt, ob sie jemand für den Verkauf auf dem Markt kennt – und sie hat mich dann empfohlen.

Aber wie geht sich das zeitlich aus?
Ich hatte einen Haufen Zeit. Das Restaurant war ja wegen dem Lockdown geschlossen, eineinhalb Jahre lang war ich in Kurzarbeit. Deswegen habe ich das hier nebenbei angefangen. Jetzt ist das Restaurant wieder offen – und es ist natürlich etwas mehr Arbeit.

Macht dir die Arbeit hier Spass?
Absolut. Es ist auf jeden Fall eine spannende Abwechslung.

Was gefällt dir am besten?
Der Kontakt zu den Menschen, man kann mit dem Anhänger fahren, muss auf- und abbauen, bedienen. Alles eigentlich.

Was verkaufst du an deinem Stand?
Es gibt verschiedene Grillwürste und Trockenfleisch – und unsere Züri-bekannten Wiedikerli in allen vier Varianten: Normal, pikant, mit Fenchelsamen und aus 100 Prozent Kalbfleisch. Ganz neu gibt es die Wiediker auch mit Bio-Fleisch.

Wo wird das hergestellt?
Immer noch in Wiedikon, am Manesseplatz. So wie vor fast 90 Jahren.

Du holst am Samstagmorgen dann alles dort ab?
Ja, es ist immer noch wie früher. Unter der Strasse, in dem alten Keller sozusagen, werden die ganzen Sachen produziert. Das ist schon krass wenn man überlegt, was für eine Riesenfirma die Metzgerei Keller heute ist, sie liefert ja von Schaffhausen bis ins Bündnerland. Und alles wird nach wie vor hier produziert.

Du verkaufst nicht nur abgepackte Würste und Fleisch, sondern auch Wiedikerli direkt auf die Hand.
Genau, so gegen 10 Uhr werfe ich denn Grill an, dann gibt’s die feinen Wiediker vom Grill. Die sind der absolute Verkaufsschlager.

Wie isst man die am besten, was ist dein Serviervorschlag?
Mit dem Brötli – und mit Senf. Wir sind ja schliesslich nicht in St. Gallen, bei uns darf man auch Senf zur Wurst essen.

Wie, kein Senf in St. Gallen?
Der St. Galler sagt: «Der schleckt dich zu Tode». In St. Gallen kannst du keine Wurst mit Senf bestellen, das geht dort gar nicht. Manchmal fragen die Leute mich hier ganz verlegen, ob sie Senf zu den Wiedikerli haben dürfen. Ich bin aus Schaffhausen und klinge für manche ähnlich wie ein St. Galler. Aber dann sage ich «Sowieso! Und ich komme schliesslich nicht aus Sankt Gallen.»

Du arbeitest inzwischen wieder 100 Prozent im Resti und dann auch noch hier?
Ja, inzwischen bin ich sicher bei 120 Prozent.

Stösst du da nicht an deine Grenzen?
In der Gastro ist das ja schon fast normal. Selbst wenn du nur einen Job hast, kann es sein, dass du 150 Prozent arbeitest. Man muss am Freitag und Samstag schon ein wenig die Zähne zusammenbeissen, aber mir macht es immer noch Spass. Morgens hole ich den Anhänger und die Ware, fahre alles hier hin, baue es auf und um 16 Uhr geht’s dann wieder zurück an den Manesseplatz.

Danach geht es dann aber in den Feierabend, oder?
Nein, dann geht’s direkt ins Restaurant. Um 18 Uhr wird im Le Chef der Herd angeworfen.

Respekt!